
Da sind sie, die Verliebten! Die Schmetterlinge im Bauch, die rosarote Brille, der betörende Duft der Liebe – und dann steht er da, der rosa Elefant, mitten im Raum und nicht zu übersehen: Rassismus.
Jedes Schwarz-weiße Paar erlebt irgendwann diesen Moment, egal wie die Partnerschaft aussieht. Und was dann?
Oft wird von der Schwarzen Person erwartet, Kompromisse einzugehen, Verständnis aufzubringen und aufzuklären, während die weiße Person völlig überrascht, reagiert: „Ich kann doch gar nicht rassistisch sein, ich liebe dich doch!“ Aber Liebe allein reicht nicht. Neben all den Herausforderungen, die jede Beziehung mit sich bringt, steht hier noch ein weiteres, schwerwiegendes Thema im Raum: Rassismus – und der Umgang damit kann entscheidend für den weiteren Weg des Paares sein.
Es ist nämlich so: In einer Schwarz-weißen Beziehung stehen beide Menschen auf zwei Seiten eines Flusses. Die weiße Person muss die Brücke bauen – denn jeder Schritt, den die Schwarze Person auf sie zugeht, würde bedeuten, ein Stück Rassismus hinzunehmen. Und das ist nicht möglich. Für den gemeinsamen Weg muss der weiße Mensch die Seite wechseln.
Wir alle wachsen in einer rassistischen Gesellschaft auf. Doch während weiße Menschen sich dem oft erst bewusst werden müssen, erleben Schwarze Menschen Rassismus ganz persönlich – sie können ihn nicht einfach ignorieren.
Ich kenne ein Paar, in dem die Schwarze Frau ihrem weißen Partner am Anfang der Beziehung das Buch von Alice Hasters, „Was weiße Menschen über Rassismus wissen sollten, aber nicht hören wollen“, gegeben hat. Sie sagte: „Du musst das lesen!“ Der Mann war nicht begeistert, er empfand dieses Muss als übergriffig. Doch sie blieb dran, fragte immer wieder nach. Beim Kapitel über den „weißen Freund“ merkte er schließlich, dass er gemeint war. Nach der vollständigen Lektüre musste er zugeben: Dieses Muss war richtig und wichtig. Heute ist er ein aktiver Ally – und das nicht still!
Persönliche Erfahrungen: Kampf, Tränen und Fortschritt
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist alles andere als einfach, eine Schwarz-weiße Beziehung zu führen. Ganz ehrlich, meine eigene Beziehung wäre daran fast zerbrochen. Wir hatten die Fights unseres Lebens. Für meinen Mann war es oft schmerzhaft zu erkennen, wie tief der Rassismus in ihm verankert war. Und für mich bedeutete das: Geduld haben, immer wieder diskutieren, immer wieder aufklären. Ich kann die Tränen, die auf beiden Seiten geflossen sind, nicht zählen – und auch nicht das zerbrochene Geschirr.
Doch irgendwann standen wir beide auf der sonnigen Seite des Flusses. Und trotzdem war es nicht vorbei – das wird es nie sein. Denn dann folgt die nächste Herausforderung: Wie geht man mit der Außenwelt um?
- Wie verhält man sich in der eigenen weißen Familie, die antisemitische Witze beim Essen macht?
- Was tun, wenn weiße Freunde das N-Wort benutzen?
Es ist nicht einfach. Aber ich kann nach Jahren sagen: Es wird einfacher.
Wir sind geübter, klar in unseren Haltungen und haben Absprachen. Eine davon lautet: Wenn wir in mehrheitlich weißen Räumen privat eingeladen sind, dürfen wir uns bis fünf Minuten vorher umentscheiden und absagen. Unser Zuhause ist ein Safer Space – sichtbar als Aufkleber an der Haustür. Im Flur hängt eine Erklärung im goldenen Rahmen: Ja, Menschen machen Fehler, und wir helfen gerne weiter. Aber wir sind keine kostenlose Antirassismus-Beratungsstelle. Das ist mein Job – und ich habe einen Stundensatz!
Gemeinsam gegen Rassismus – als Festung
Ist jetzt alles perfekt? Nein.
Manchmal stehen wir abends im Bad, putzen Zähne, und mein Mann klagt darüber, dass seine Woche anstrengend war, weil er jeden Tag gegen Rassismus kämpfen musste. Ich lächle und sage nur: „Welcome to my world.“
Aber eines ist klar: Wenn es darauf ankommt, sind wir eine Festung. Wir kämpfen Seite an Seite gegen Rassismus – selbst, wenn es „nur“ eine kleine Bemerkung ist. Wir ziehen gemeinsam die Grenzen und entscheiden, was wir uns zumuten und was nicht.
Ist das leicht? Nein.
Wir haben auf diesem Weg Familie und Freunde verloren – oder besser gesagt: Wir haben uns entschieden, mit bestimmten Menschen keinen Kontakt mehr zu haben. Und ja, das schmerzt. Aber unsere Beziehung ist es wert.
Zola Wiegand-M‘Pembele